Als Wirtschaftspsychologin begleite ich mittelständische Unternehmen dabei, genau diese verdeckten Reibungsverluste sichtbar zu machen, bevor sie zu einem stockenden Projekt oder einer Kündigung führen. Dieser Artikel zeigt, wie sich die 60.000 Euro tatsächlich zusammensetzen, woraus der Verlust darin entsteht und wie Sie als Geschäftsführer oder Inhaber ihn frühzeitig erkennen.










Was ein Team im Monat tatsächlich kostet
Zehn erfahrene Ingenieure, je 5.000 Euro brutto, dazu rund 20 Prozent Lohnnebenkosten: macht 60.000 Euro im Monat, fest, ganz unabhängig davon, wie viele Projekte in dieser Zeit über die Ziellinie kommen. Genau dort, zwischen Auftrag und Abgabe, entscheidet sich, ob diese 60.000 Euro in Ergebnisse fließen oder in Warteschleifen. Wissenschaftlich untersucht ist dieser Zusammenhang unter anderem an der Hochschule Fresenius: Die Wirtschaftswissenschaftler Munscheck und Aberle beziffern Konfliktkosten je nach Unternehmensgröße auf mehr als 10.000 Euro, in Großunternehmen über die Zeit auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Andere Schätzungen setzen die durch Konflikte verursachten Personalkostenanteile sogar bei 10 bis 20 Prozent an, ohne Minderleistung, Krankenstände oder Fluktuation überhaupt einzurechnen.
Warum diese Summe unabhängig vom Ergebnis feststeht
Den Unterschied macht dabei selten die fachliche Qualifikation im Team. Er entsteht darin, wie dieses Team tatsächlich zusammenarbeitet. Selten beginnt ein solcher Verlust mit einem offenen Streit. Meistens sind es Erwartungen, die nie richtig ausgesprochen wurden, eine Abstimmung, die zweimal läuft, weil beim ersten Mal unklar war, wer entscheidet, und eine Aufgabe, die liegen bleibt, weil sich niemand so richtig zuständig fühlt. Nach außen läuft trotzdem alles wie gewohnt, nur eben mit etwas mehr Nacharbeit, etwas mehr Rückfragen und der ein oder anderen guten Fachkraft, die innerlich schon auf Standby geschaltet hat.
Die Verbindung zur inneren Kündigung
Genau dieser Rückzug ist auch volkswirtschaftlich gut belegt: Laut dem Gallup Engagement Index Deutschland 2025 weisen lediglich 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf, während 77 Prozent nur noch Dienst nach Vorschrift leisten. Die daraus entstehenden Produktivitätseinbußen beziffert Gallup für 2025 auf 119,2 bis 142,3 Milliarden Euro, deutschlandweit. Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung fehlen dabei 41 Prozent seltener als Beschäftigte ohne Bindung. Wichtig ist hier die Trennung: Die innere Kündigung ist ein wissenschaftlich untersuchtes Phänomen der Arbeitspsychologie, während eine Methode wie die Konfliktkosten-Schattenrechnung ein praktisches Werkzeug ist, um genau diese verdeckten Kosten im eigenen Unternehmen sichtbar zu machen.
Wie sich diese Reibungsverluste im Alltag zeigen
Sichtbar wird der Verlust meist erst, wenn ein Projekt spürbar ins Stocken gerät, eine Frist reißt oder ein Experte tatsächlich kündigt. Bis dahin läuft der eigentliche Verlust in der Regel schon seit Monaten, nur eben nirgendwo als eigene Zeile verbucht. Genau diese frühen, noch unauffälligen Signale mache ich in meinem Analyse-Workshop „Ursachen erkennen, Handlungsfelder ableiten“ sichtbar, ohne dabei bereits die konkrete methodische Umsetzung vorwegzunehmen.
Typische frühe Signale sind:
– Entscheidungen, die sich ohne erkennbaren Grund immer wieder verzögern
– Abstimmungen, die mehrfach laufen, weil Zuständigkeiten unklar sind
– Aufgaben, die zwischen zwei Personen liegen bleiben
– Rückfragen und Nacharbeit, die sich im Alltag häufen
– Mitarbeitende, die spürbar weniger Eigeninitiative zeigen als früher
Die spannendere Frage für Geschäftsführer und Inhaber ist deshalb nicht, ob es im eigenen Team einen Konflikt gibt, sondern welche Reibungsverluste dort inzwischen als ganz normal gelten. Klarheit über Rollen, Erwartungen und Zuständigkeiten kostet nichts extra. Sie verändert nur, wie effektiv die vorhandenen Personalkosten eingesetzt werden, spürbar in Form von mehr Kapazität, kürzeren Durchlaufzeiten und einer Führungskraft, die weniger operativ kompensieren muss.














