Als Wirtschaftspsychologin begleite ich Menschen in der beruflichen Neuorientierung genau an diesem Punkt: dem Übergang von reiner Bewerbungsflut hin zu echter Sichtbarkeit. In diesem Artikel zeige ich, was aktuelle Arbeitsmarktdaten dazu sagen und wie Personaler bei ihrer Suche tatsächlich vorgehen.





Was die IAB-Stellenerhebung über Besetzungswege zeigt
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befragt im Rahmen der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich tausende Betriebe dazu, wie sie offene Stellen tatsächlich besetzen. Die aktuellen Zahlen für 2025 zeigen: Bei 48 Prozent aller erfolgreichen Stellenbesetzungen haben Betriebe die Suche über eigene Beschäftigte oder persönliche Kontakte genutzt, bei 27 Prozent war genau dieser Weg letztlich entscheidend für die Einstellung. Online-Medien, also Jobportale, die eigene Firmenwebsite und soziale Netzwerke, gewinnen zwar weiter an Bedeutung und waren 2025 bei gut der Hälfte der Neueinstellungen mitentscheidend, ersetzen den persönlichen Kontaktweg damit aber nicht, sondern ergänzen ihn.
Warum persönliche Sichtbarkeit oft mehr zählt als die Bewerbung selbst
Für Unternehmen ist die direkte Ansprache bekannter oder empfohlener Personen oft einfacher und schneller als eine öffentliche Ausschreibung mit anschließender Bewerbersichtung. Wer also gar nicht erst sichtbar ist, taucht in diesem Auswahlprozess praktisch nie auf, unabhängig davon, wie gut die eigene Qualifikation tatsächlich ist.
Wie Personaler und Recruiter konkret suchen
Ein zentrales Werkzeug dabei ist die Recruiter-Suche auf Plattformen wie LinkedIn. Laut der offiziellen LinkedIn-Hilfe durchsucht das Keyword-Suchfeld im Recruiter-Tool das komplette Profil, also Überschrift, Zusammenfassung, Berufserfahrung und Fähigkeiten, und markiert passende Suchbegriffe direkt auf dem gefundenen Profil. Anders als die Arbeitsmarktforschung selbst ist das kein wissenschaftliches Konstrukt, sondern eine ganz praktische, technische Suchfunktion: Nur wer die richtigen, zur Zielposition passenden Begriffe im eigenen Profil verwendet, wird bei so einer Suche überhaupt gefunden.
Was das für deine Jobsuche bedeutet
Ein Lebenslauf allein reicht nicht mehr, wenn er nirgendwo auffindbar ist. Genau diesen Übergang von Bewerbung zu Sichtbarkeit arbeite ich mit meinen Klientinnen und Klienten in der individuellen Bewerbungsbegleitung heraus.
- Prüfe, ob dein LinkedIn-Profil die Berufsbezeichnungen und Fähigkeiten enthält, nach denen in deiner Zielbranche tatsächlich gesucht wird.
- Ergänze im Profil auch gängige Synonyme für deine Rolle, nicht nur die eine Bezeichnung aus deinem letzten Arbeitsvertrag.
- Baue aktiv Kontakte in deiner Zielbranche auf, nicht erst dann, wenn du bereits auf Jobsuche bist.
- Verlasse dich nicht ausschließlich auf Jobportale, sondern plane bewusst Zeit für Sichtbarkeit und Networking ein.
Der sichtbare Stellenmarkt ist nur ein Ausschnitt dessen, was tatsächlich passiert. Wer zusätzlich zur klassischen Bewerbung an der eigenen Sichtbarkeit arbeitet, öffnet sich Zugang zu einem deutlich größeren Teil des Arbeitsmarktes.














