Als Wirtschaftspsychologin beschäftige ich mich damit, wo in Teams Zeit, Geld und Vertrauen verloren gehen, ohne dass es jemand bemerkt. Letzte Woche habe ich an einem Angebotsbeispiel gezeigt, wie aus einer einzigen nachgearbeiteten Aufgabe Kosten entstehen, die in keiner Auswertung auftauchen. KI-Output, der ungeprüft weitergegeben wird, folgt genau demselben Muster, und genau darum geht es in diesem Artikel.
Was hinter dem Begriff Workslop steckt
Stellen Sie sich eine ganz alltägliche Situation vor: Ein Mitarbeiter erstellt mit KI eine Zusammenfassung für den Kunden. Nach zehn Minuten ist sie fertig und sieht professionell aus. Seine Kollegin braucht danach zwei Stunden, um herauszufinden, was eigentlich drinsteht, was davon stimmt und was noch fehlt. Genau dafür haben Forschende von BetterUp Labs und dem Stanford Social Media Lab den Begriff Workslop geprägt: KI-Output, der gut aussieht, aber inhaltlich nicht trägt. Das Tückische daran ist, dass die Arbeit dadurch nicht verschwindet. Sie hat nur den Schreibtisch gewechselt, und zwar vom Absender zur Empfängerin.

Was die Forschung über die Folgen zeigt
Die bislang wichtigste Untersuchung dazu stammt von BetterUp Labs und dem Stanford Social Media Lab, veröffentlicht 2025 in der Harvard Business Review. Befragt wurden 1.150 Vollzeitbeschäftigte in den USA. 40 Prozent gaben an, im letzten Monat solchen Output erhalten zu haben, und jeder Vorfall kostete die empfangende Person im Schnitt eine Stunde und 56 Minuten. Noch bemerkenswerter sind die Folgen für die Zusammenarbeit: Etwa die Hälfte der Befragten hielt die Absender danach für weniger kreativ, fähig und zuverlässig, 42 Prozent für weniger vertrauenswürdig, und knapp ein Drittel wollte mit der betreffenden Person künftig seltener zusammenarbeiten. Einschränkend muss man sagen, dass die Zeitangaben auf Selbsteinschätzungen beruhen und die Befragung in den USA stattfand. Die Richtung ist trotzdem eindeutig.

Was das in Euro bedeutet
Rechnet man die Studienwerte mit den Personalkosten aus meinem Angebotsbeispiel um, also 3.000 Euro Bruttogehalt plus 20 Prozent Arbeitgeberkosten und damit rund 22,50 Euro pro Stunde, kostet ein einzelner Vorfall gut 40 Euro, allein auf der Empfängerseite. Bekommt in einem Team mit zehn Personen jede Person nur einmal im Monat einen solchen Vorfall auf den Tisch, sind das rund 435 Euro im Monat und gut 5.200 Euro im Jahr. Anders als die Studie selbst ist diese Hochrechnung keine Messung, sondern eine vorsichtige Modellrechnung, und sie enthält noch nicht einmal das, was die Studie als größten Schaden beschreibt: den Vertrauensverlust im Team.
Was das für Ihren Führungsalltag bedeutet
Die naheliegende Reaktion wäre, den Absendern mangelnde Sorgfalt vorzuwerfen. Nur war in vielen Teams nie geklärt, was vor einer Weitergabe eigentlich erwartet wird. Was heißt geprüft, wann ist etwas fertig und wer entscheidet, ob es rausgehen darf? Solange diese Fragen offen sind, verstärkt KI nur, was vorher schon unklar war. Das ist deshalb keine technische Frage, sondern eine Führungsfrage, und sie gehört zu genau den Feldern, die ich im Analyse-Workshop „Ursachen erkennen, Handlungsfelder ableiten“ mit Unternehmen sichtbar mache: Rollenklärung und Erwartungen.
- Legen Sie fest, welche Arbeitsergebnisse mit KI erstellt werden dürfen und welche vor einer Weitergabe zwingend von einem Menschen geprüft werden müssen.
- Klären Sie im Team, was „geprüft“ konkret bedeutet, gelesen, fachlich kontrolliert oder freigegeben.
- Bestimmen Sie für kundenrelevante Ergebnisse, wer die Freigabe verantwortet.
- Achten Sie darauf, ob Nacharbeit gerade still von einzelnen Personen aufgefangen wird, das ist oft das erste Anzeichen.
KI spart nur dort Zeit, wo klar ist, was mit ihren Ergebnissen passieren darf. Wo das offen ist, entsteht keine Effizienz, sondern eine Verschiebung, die am Ende Zeit, Geld und Vertrauen kostet.














